4) Amit Chaudhuri (Fusion oder nicht?)
4. Februar 2012…………………………………………………………………………………………………..
Dies ist die Geschichte einer indisch-europäischen Begegnung, gesehen mit den Augen der anderen Seite. Aber offenbar dargestellt, reflektiert für uns, und es gibt vernünftigerweise Erläuterungen, die verschiedene zum Verständnis notwendige Hintergrundinformationen liefern. Es entsteht jedoch die interessante Frage, was darin nicht enthalten sein kann, zum Beispiel, wenn der Anteil bestimmter Ragas in der Musik erwähnt wird, samt Notennamen wie Sa-Re-Ga etc., als sei das jedem geläufig; aber niemand, der nicht eine bestimmte interkulturelle Vorbildung hat, wird das verstehen. Für mich als Musiker liegt daher nichts näher als zumindest die gemeinten Töne zu entschlüsseln und durch europäische Namen oder Notenzeichen zu ersetzen bzw. zu ergänzen.
Natürlich leugne ich nicht, dass mich die tönende Musik auch vorher schon beeindruckt hat; nur deshalb beschäftige ich mich näher damit. Ich empfehle also, diese CD zu erwerben, mit Sympathie zu hören und eventuell diese zusätzlichen Informationen zu Rate zu ziehen. Ich trage sie in den Programmtext ein und bedauere, dass auch diese Informationen nur für bestimmte Leser brauchbar sind, nämlich Notenleser (“Notisten”).
Es schadet Amit Chaudhuri nicht, wenn Sie zur Einstimmung Eric Clapton’s “Layla” hören, – hier, auf youtube. Anschließend den Clip, den Chaudhuri im Internet zum Hören anbietet: hier.
Und dann bitte den folgenden Text anklicken und zu lesen beginnen… Und dann sind Sie frei, sofern Sie frei sein wollen.
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It’s my concern, in this project, to think beyond a physical meeting point between musicians of Western and Indian tradition (which is what ‘fusion’ , in the ordinary sense, usually is), towards a musical and conceptual meeting point, a space in which…
Zur Web-Seite von Amit Chaudhuri geht es hier.
Die folgenden Zitate stammen aus einer Sendung des Südwestrundfunks (SWR), die am 15.November 2011 gesendet wurde. Der Titel “This is no fusion” korrigiert Chaudhuris originalen CD-Titel “This is not fusion”, die Sendung betrifft allgemein “Englischsprachige Schriftsteller zwischen Bangladesch und Baltimore”, der Autor ist Johannes Kaiser. Weitere Namen, die in der Sendung behandelt werden: Monica Ali, Manil Suri, Kamila Shamsie, Daniyal Mueenuddin, Nadeem Aslam, Rana Dasgupta. Der vollständige Text ist unter folgendem SWR-Link nachzulesen: hier.
Amit Chaudhuri:
Ich denke, der örtliche Hintergrund, der Sinn für Lokalität ist
sehr wichtig für die Moderne. Das Lokale ist an die besondere
Poesie eines Ortes gebunden. Wenn überhaupt dann hat das
Reisen meinen Verstand, meine Empfindungen dafür geschärft,
genau das machen zu wollen. Ich habe angefangen, in
Kalkutta über Bengalen zu schreiben und das ist als Weigerung
zu verstehen, über Indien als Nation zu schreiben. Für mich
war Kalkutta ein Symbol für das Lokale. Ich habe angefangen,
über das Lokale nachzudenken, als ich hier in England lebte.
Biographisches (Johannes Kaiser):
Der 1962 in Kalkutta geborene Amit Chaudhuri ist als Sohn
eines Bankmanagers in Bombay aufgewachsen. Er lernte zuhause
Bengali und Hindi, aber wie viele Kinder aus der indischen
Mittelschicht absolvierte er eine englischsprachige Schule
und studierte danach in London. Die Sprache der ehemaligen
Kolonialmacht ist Indiens lingua franca. Nur wer sie beherrscht,
kann in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft Karriere
machen. Amit Chaudhuri promovierte in Oxford und lehrt heute
als Professor an der East Anglia University in Norwich moderne
Literatur, während seine Frau und seine Tochter in Kalkutta
leben. In den Semesterferien kehrt er regelmäßig in seine
Heimat zurück.
1991 erschien seine erste Novelle. Seitdem hat er nicht nur
vier Romane und je einen Band mit Kurzgeschichten und Gedichten
vorgelegt, sondern auch zwei Musikalben mit klassischer
indischer Musik und eine CD mit seiner Band unter dem
Titel ‚This is no fusion‘ veröffentlicht. Wie seine Literatur ist
auch seine Musik eine kreative Auseinandersetzung mit zwei
Kulturen. Chaudhuris Geschichten spielen in England und Indien,
sind stark autobiographisch geprägt und beruhen zu weiten
Teilen auf Kindheitserinnerungen in Bombay und Studienerlebnissen
in Oxford.
Amit Chaudhuri schreibt geradlinig: eine Chronologie der Ereignisse,
klar umrissene, detailliert beschriebene Alltagssituationen.
Dramatisches ist ihm fremd. Seine Geschichten strömen
dahin wie indische Ragas, allmähliche kleine Tonverschiebungen
ohne heftige Ausbrüche. Das Ende bleibt offen.
Amit Chaudhuri:
Es ist für Menschen in der modernen Welt sehr schwierig,
quer über die Kulturen hinweg Klassenzugehörigkeiten zu erkennen.
Wenn wir uns in unserem eigenen Milieu befinden,
können wir aus der Art und Weise, wie Menschen leben, sich
anziehen und sprechen, erkennen, zu welcher Klasse sie gehören.
Das ist etwas, was wir normalerweise nicht sagen können,
wenn wir in eine andere Kultur kommen. Für uns werden dort
alle zu Indern oder Chinesen oder Engländern oder Deutschen
und das gilt auf beiden Seiten.
Über die Jahre wurde ich mir der Abgrenzungen der Klassen
sowohl bei den Indern als auch bei den Engländern bewusst,
und ich sah, wie die Geschichte dadurch überall beeinflusst
wird. Danach begriff ich, dass es falsch ist, zu sagen: Ah, nur
unsere Geschichte ist davon beeinflusst. Auch die westliche
Geschichte ist voller Einflüsse. Ich finde es wunderbar, regionale
Unterschiede, Klassenunterschiede zu sehen – und zwar
nicht nur dort, wo ich herkomme, sondern auch dort, wo ich
hinreise und wo ich außerhalb meines Landes gelebt habe. Wie
jemand redet oder sich kleidet, entspringt einem historischen
Hintergrund. Man kann es geschichtlich einordnen. Und ich
halte das für ein Privileg.
Alle Zitate aus der SWR-Sendung (15.11.2011) “This is no fusion”. Englischsprachige Schriftsteller zwischen Bangladesch und Baltimore. Von Johannes Kaiser. Redaktion: Walter Filz.






















